THEMEN

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Gebündeltes Know-how in Theorie und Praxis
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Gebündeltes Know-how in Theorie und Praxis

 

Im Kreislauf „Risikomanagement“ (Identifizieren – Messen – Steuern – Überwachen) hat die Messung von Risiken zentrale Bedeutung. Erst wenn unterschiedliche Risiken möglichst genau quantifiziert werden, ist eine Steuerung und Überwachung möglich.

 

Kreditrisikomessung

Um das Kreditrisiko einzelner Adressen sachgerecht messen zu können, müssen die Institute risikorelevante Aspekte sammeln, strukturieren, gewichten und geeignet kalibrieren. Hierfür ist eine große Menge Daten nötig. Die RSU verfügt über einen europaweit einzigartigen Datenpool von Finanzierungsdaten für das Großkundengeschäft. Auf dieser Basis können unsere mehr als 35 Methodikexperten die Verfahren permanent prüfen, validieren und weiterentwickeln.

Die internen Ratingverfahren der RSU basieren auf einer ganzheitlichen Risikoanalyse des Kreditnehmers: So gehen quantitative und qualitative Informationen in die Beurteilung ebenso ein wie eventuelle Warnsignale oder Haftungsverbünde. Diese Informationen muss der Analyst erheben und beurteilen. Von der RSU kommt das Verfahren, mit dem diese Informationen strukturiert und zueinander in Beziehung gesetzt werden.

Der Risk Analyzer liefert eine automatisierte Bonitätsaussage zu einer Adresse, die auf der statistischen Analyse von Kapitalmarktinformationen zu dieser Adresse beruht.

Um das Kreditrisiko sinnvoll beurteilen zu können, ist nicht nur relevant, ob eine Verbindlichkeit zurückgezahlt wird, sondern auch, wie hoch der Verlust im Falle eines Ausfalls sein wird. Mit unseren Verfahren zur Verlustschätzung ermitteln unsere Kunden eine statistisch valide Schätzung für diese Risikokomponente.

Um Steuerungsimpulse möglichst frühzeitig setzen zu können, sind Frühwarnsysteme für sich abzeichnende Bonitätsverschlechterungen unabdingbar. Risk Guard analysiert kapitalmarktbasierte Adressen und liefert mit ausreichendem zeitlichen Vorlauf (bis zu einem Jahr) Warnsignale für auftretende Ausfallrisiken.

 

Basel III/IV

Seit dem 1. Januar 2014 sind für alle Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute in der EU die Regelungen von Basel III maßgeblich. Basel III ist die Weiterentwicklung der Basel II-Regelungen zur risikoadäquaten Eigenkapitalsicherung der Kreditengagements. Gemäß den Mindestkapitalanforderungen müssen die Institute in gewissem Umfang (regulatorisches) Eigenkapital für das Kreditausfallrisiko vorhalten. Dieses Kapital soll insbesondere den unerwarteten Verlust des Kreditengagements decken. Die Höhe des unerwarteten Verlusts hängt von der Ein-Jahres-Ausfallwahrscheinlichkeit (Probability of Default, PD), dem ausfallbedrohten Betrag (Exposure at Default, EAD) und der Verlustquote im Verzugsfall (Loss Given Default, LGD) ab.

Um die aufsichtsrechtlich geforderte Eigenkapitalunterlegung zu ermitteln, kann eine Bank zwischen dem Standardansatz und den auf internen Ratings basierenden Ansätzen, den IRB-Ansätzen, wählen. Während der Kreditrisiko-Standardansatz (KSA) auf aufsichtlich vorgegebenen Risikogewichten und externen Ratings basiert, müssen interne Ratings vom Institut selbst erstellt werden.

Als IRB-Ansätze existieren der IRB-Basisansatz und der fortgeschrittene IRB-Ansatz. Im IRB-Basisansatz wird ausschließlich die PD durch aufsichtsrechtlich anerkannte interne Ratingmodelle geschätzt – LGD und die Herleitung des EAD sind dagegen durch gesetzlich pauschal festgelegte Parameter vorgegeben. Der fortgeschrittene IRB-Ansatz sieht auch die eigene Schätzung von LGD und bestimmten Komponenten des EAD vor und ist somit der weitest gehende Ansatz in Richtung einer risikoangepassten Eigenkapitalunterlegung.

Auch Institute, die für die regulatorische Eigenkapitalberechnung gemäß Basel auf externe Ratings zurückgreifen (KSA), sind gemäß BTO 1.4 der MaRisk verpflichtet, „aussagekräftige Risikoklassifizierungsverfahren für die erstmalige beziehungsweise die turnusmäßige oder anlassbezogene Beurteilung der Adressenausfallrisiken …einzurichten.“ Damit wird der Säule 2 des Basler Regelwerks Rechnung getragen.

Die internen Ratingverfahren der RSU werden von einer Vielzahl von Kunden erfolgreich im IRB-Ansatz verwendet. Darüber hinaus erfüllen sie alle Anforderungen, die von der MaRisk an Risikoklassifizierungsverfahren gestellt werden.

Seit 2008 werden die Verfahren zur Verlustschätzung von Kunden der RSU im fortgeschrittenen IRB-Ansatz genutzt.

 

Solvency II

Versicherungen sind seit dem 01.01.2016 gezwungen, ihre Solvenzkapitalanforderungen (Solvency Capital Requirements, SCR) nach den Regeln von Solvency II zu ermitteln.
Für die Kapitalanlage sind Risikoeinschätzungen vorzunehmen und Gewichtungsparameter zu bestimmen. Dazu können Versicherungen auf das Standardmodell zurückgreifen. In diesem Fall ist die Mehrzahl der Gewichtungsparameter zur Solvenzkapitalermittlung aufsichtlich vorgegeben.

Deutlich größere Freiheit in der Ermittlung des gebundenen Solvenzkapitals erhält die Versicherung durch die Verwendung eines internen (Teil-)Modells, an das der Regulator allerdings umfassende Anforderungen stellt.
Unabhängig von der Modellwahl (Standardmodell vs. Internes Modell) sind die Versicherungen verpflichtet, die eingegangenen Risiken kontinuierlich zu beurteilen und die Auswirkungen auf ihre Finanzlage zu prüfen (Own Risk and Solvency Assessment, ORSA, gemäß Säule 2 in Solvency).
Voraussetzung für ein Engagement in bestimmte Vermögenswerte ist das Prudent Person Principle als Leitmotiv. Es besagt, dass der Investor die eingegangenen Risiken versteht, beurteilen und steuern kann. Beide Prinzipien sind im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) konkretisiert.

Die internen Ratingverfahren der RSU decken eine breite Palette von Assetklassen ab. Innerhalb jedes Verfahrens wird die Risikosituation einer Adresse umfassend beurteilt. Der Investor erhält umfassende Transparenz über die Risikosituation des zu beurteilenden Unternehmens und kann eine fundierte Anlageentscheidung treffen. Zusätzlich unterliegen die Verfahren kontinuierlichen und umfassenden Prüfungen der nationalen und europäischen Aufsicht.

Mit dem Risk Analyzer als automatisiertem System zum Monitoring von kapitalmarktbasierten Adressen lässt sich die Risikobeurteilung der Investments unterstützen.

 

IFRS 9

Mit den Regelungen zur Bewertung von Finanzinstrumenten aus IFRS 9, die mit dem 01.01.2018 in Kraft treten, wird der bisherige Incurred Loss Ansatz durch ein (Lifetime) Expected Credit Loss Modell ersetzt. Dadurch gewinnen zentrale Komponenten des Risikocontrollings (PD, LGD, EaD) auch im Accounting an Bedeutung.

Elementarer Baustein für den neuen Ansatz ist, den erwarteten Verlust eines Finanzinstruments über dessen gesamte Laufzeit zu kalkulieren. Mit den Migrationsmatrizen/PD-Profilen (MMX/PDP) zu den RSU-Ratingverfahren ermittelt der Nutzer die relevanten Mehrjahres-Verläufe seiner Finanzinstrumente.

 

Stress Testing

Nationale (BaFin) sowie Europäische Aufsicht (EZB, EIOPA) verlangen regelmäßige Stresstests zur kontinuierlichen Prüfung der regulatorischen Kapitalanforderungen.
Damit verbunden ist die Aufgabe, den Einfluss von Krisenszenarien auf zukünftige Kreditverluste sowie die Kreditqualität zu quantifizieren.

Der Stress Test Analyzer der RSU transformiert frei wählbare makroökonomische (Stress-) Szenarien zu Shifts für Ausfallraten und PD-Anpassungen auf Länder-, Branchen- und Assetklassenebene.